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Anschober: Der Widerstand gegen die Abschiebung von Lehrlingen wächst und wächst

Rekord bei Lehrlingen, Rekord auf Unternehmens-Plattform und hunderte Briefe an die Bundesregierung

Der Widerstand gegen die Abschiebung gut integrierter Lehrlinge nimmt enorme Dimensionen an - eine österreichweite politische Bewegung ist entstanden: bereits 615 Wirtschaftsunternehmen, viele Prominente von Mitterlehner bis Androsch, von Palfrader bis Hermann Maier, 91 Gemeinden und 55.700 Unterzeichner/innen sind Teil dieser Bewegung. Hunderte Protest-Schreiben an Regierungsmitglieder wurden alleine in den letzten Tagen übermittelt - und der Widerstand wächst weiter tagtäglich an. Auch der Bedarf an Lehrlingen steigt in Oberösterreich weiter an: aktuell sind 2.555 Lehrlingsmangelstellen unbesetzt. Und trotz der Verunsicherung durch drohende Abschiebungen sind immer mehr Asylwerbende in Lehre - mittlerweile sind alleine in Oberösterreich 403 Beschäftigungsbewilligungen ausgestellt. Und die ersten Lehrabschlüsse  liegen nun vor: von Fatima und Sonya aus Afghanistan. Und ein weiterer Unternehmer geht heute an die Öffentlichkeit, protestiert und schildert seine Betroffenheit: der Linzer Betrieb A B C Dachlackierer und Maler war seit 3 Jahren auf der Suche nach einem qualifizierten Lehrgang bevor nun zwei afghanische junge Männer in den Betrieb integriert wurden. Eine Abschiebung wäre für den Betrieb „absolut fatal“. 

Aktuelle Zahlen: Rekord bei Asylwerbenden in Lehre in OÖ

Trotz der Verunsicherung durch drohende Abschiebungen steigt die Zahl der Beschäftigungsbewilligungen für Lehrausbildungen in Mangelberufen in OÖ immer stärker an: waren es im Jahr 2016 142 ausgestellte Beschäftigungsbewilligungen, 2017  dann 233, so sind es aktuell bereits 403 aufrechte Beschäftigungsbewilligungen.

403 junge Asylwerbende sind derzeit in Lehrlingsmangelstellen in Oberösterreichs Betrieben, darunter 314 Afghan/innen. Die Aufteilung auf die oö. Bezirke ist breit: Linz (80 Personen), Perg (37), Rohrbach (37) und Gmunden (33). 40 Prozent der besetzten Lehrlingsmangelstellen sind in Handel und Gewerbe, 38% in der Gastronomie und 22% in der Industrie.

Der Bedarf steigt gleichzeitig ebenso an: derzeit sind in Oberösterreich 2.555 Lehrstellen laut Lehrstellenmangelliste in OÖ unbesetzt. Ein immer dramatischeres Problem für die oö Wirtschaft

Gleichzeitig erfolgen nun die ersten Lehrabschlüsse der Asylwerbenden

Sehr erfreulich etwa der Lehrabschluss von zwei Schwestern aus Afghanistan in der Spate „Köchin“. Fatima und Sonya haben im Restaurant Weberspitz in Schärding, das von der Volkshilfe betrieben wird, ihre Ausbildung gemacht – und nun ihren erfolgreichen Lehrabschluss in Händen.

„Nein, nervös sind wir vor und während der Prüfung nicht gewesen, unsere Mama hat uns gut vorbereitet“, sagen Fatima und Sonya stolz. Mit „Mama“ ist Volkshilfe- Trainerin und Haubenköchin Rosemaria Spießberger gemeint. Die beiden Frauen haben die so genannte Facharbeiter-Intensivausbildung durchlaufen, ein Kursangebot, das die Volkshilfe im Auftrag des AMS Schärding und mit Unterstützung des  BFI anbietet.  

Gelehrt wird, wie international üblich, die so genannte französische Küche mit jeder Menge Fachausdrücken – gekocht werden überwiegend österreichische Schmankerl. Auch bei der Prüfung mussten Sonya und Fatima unter anderem Schweinekoteletts zubereiten und selbstverständlich abschmecken. „Das ist für uns kein Problem – das gehört in unserem Beruf dazu.“
„Danke Mama“, sagen die Schwestern immer wieder. Deutsch sprechen sie schon wirklich gut – nur der Innviertler Dialekt ist noch eine Herausforderung. Die Geschwister wohnen in Schärding, sind vor vier Jahren nach Österreich gekommen, haben hier keine Familienangehörigen.

Aktueller Stand der Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“:

Rekord bei Unternehmens-Plattform

  • bereits 615 Unternehmen auf der Wirtschaftsplattform, von kleinen Handwerksbetrieben bis hin zu großen Unternehmen wie Spar und REWE-Gruppe, GEA, Josko, Weingut Umathum, Resch & Frisch, Trumer Privatbrauerei oder die Werbeagentur Reichl & Partner.
  • 91 Gemeinden mit 2.661.491 Einwohner/innen, die Resolutionen an die Bundesregierung verabschiedet haben,
  • 55.700 Unterzeichner/innen der Petition
  •  immer mehr Prominente, von Reinhold Mitterlehner und Christian Konrad über Herrmann Maier und Leo Hillinger bis hin zu Künstler/innen wie Josef Hader, Adele Neuhauser oder Robert Palfrader. 

Hunderte Privatpersonen wenden sich persönlich an die Bundesregierung

Hunderte Privatpersonen haben sich in den letzten Tagen an den Bundeskanzler, den Innenminister oder andere Regierungsmitglieder gewandt mit ihren persönlichen Argumenten gegen die Abschiebung top-integrierter Lehrlinge.

Auszug aus drei Schreiben:

Sehr geehrter Herr Innenminister,
ich hätte ich eine persönliche Bitte an Sie.
Könnten Sie die zuständigen Stellen für Abschiebung nicht dahin gehend sensibilisieren, dass Menschen, die arbeitswillig und integrationswillig sind, nicht abgeschoben werden.
Wir brauchen jetzt und in Zukunft dringend solche Leute, um unseren eigenen Aufschwung nicht zu gefährden.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrter Herr Innenminister,
ich fordere Sie hiermit auf die Bemühungen von vielen Betrieben und Initiativen zur Integration von in Ausbildung stehenden AsylwerberInnen zu unterstützen. Die aufwendige Arbeit aller Beteiligten um eine gute Integration von Menschen, egal welcher Herkunft, zu ermöglichen muss aus meiner Sicht honoriert und nicht bestraft werden. Ich arbeite selbst im medizinischen Bereich, einem Arbeitsumfeld also, in dem Multinationalität selbstverständlich und in den Augen aller MitarbeiterInnen eine Bereicherung ist.

Da fast überall Fachkräfte dringend gebraucht werden, ist es für mich unverständlich, wenn bereits eingearbeitete, fleißige, junge Menschen aus diesem Umfeld wieder rausgerissen werden. Um diesen Umstand entgegenzuwirken wäre es wohl auch sinnvoll Asyl-Verfahren / Asyl-Entscheidungen deutlich zu beschleunigen.

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz,
wir wünschen uns alle, dass sich geflüchtete Menschen bei uns integrieren, deshalb kann ich es nicht verstehen, dass Sie es zulassen, dass genau diese Menschen, die sich darum bemühen einer Arbeit nachzugehen, Steuern zahlen und ihren Beitrag in der österreichischen Gesellschaft leisten möchten, abgeschoben werden! Für mich ist es ein Widerspruch in sich und auch sehr beschämend, einerseits schreit die Wirtschaft händeringend nach Fachkräften, andererseits werden motivierte Menschen, die diese Lücken füllen möchten und sich ausbilden lassen, abgeschoben!!
Kann es sein, dass Sie gar nicht möchten, dass sich geflüchtete Menschen integrieren, damit Sie Beweggründe haben, diese abzuschieben?
Ich kann Ihnen nur wünschen, dass Sie selber niemals in so eine Situation kommen, wo Sie aus welchen Gründen auch immer, Ihre Heimat verlassen müssen, um überleben zu können!

A B C Dachlackierer & Maler GmbH geht heute an die Öffentlichkeit

Seit drei Jahren sucht A B C Dachlackierer & Maler aus Linz verzweifelt Lehrlinge, die zu Lackierarbeiten auf den verschiedensten Dächern ausgebildet werden. Der Arbeitsbereich ist hauptsächlich im Freien, in der Höhe und unter der Sonne – gewisse körperliche Voraussetzungen gilt es da mitzubringen.

Durch Zufall hat sich dann Herr L. beim Betrieb vorgestellt, der aus Afghanistan geflüchtet ist – nach ein paar Schnuppertagen wurde er aufgenommen.

„Seit sieben Monaten arbeitet Herr L. bei uns, er spricht perfekt Deutsch, ist ein aufgeschlossener, strebsamer und verantwortungsbewusster, junger Mann, höflich, nett, hilfsbereit, eine extremer Bereicherung für unseren Betrieb. Auf Grund seines Verhaltens haben wir noch einen afghanischen Lehrling aufgenommen, von dem wir ebenfalls begeistert sind. Die Burschen arbeiten gemeinsam mit meinen beiden Söhnen gemeinsam auf den Baustellen. Durch diese beiden haben wir Hoffnung, dass sich unser Betrieb entwickeln kann und Qualität durch qualifiziertes Fachpersonal garantiert,“ so Inhaber Thomas Scheubmayr.

„Für unseren Betrieb wäre es absolut fatal, wenn man diese Lehrlinge abschiebt“, so Scheubmayr abschließend.

06.08.2018

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