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am 26. September 2017

EU-Gipfel zu Fipronil: Forderungen & Ergebnisse

Rudi Anschober - Wir haben im Vorfeld des EU-Gipfels zum Fipronil-Skandal 5 Forderungen gestellt. Bessere Information innerhalb der EU ist gut, aber dieentscheidende Kennzeichnung fehlt nach wie vor.

Und woher kommt dieses Ei?

​Die GesundheitsministerInnen tagten heute im EU-Rat in Brüssel zum Skandal um "Fipronil in Eiern". Wir erneuern unsere Kritik an der Massentierhaltung und die Forderung nach einer transparenten Kennzeichnung im Sinne der KonsumentInnen - auch bei verarbeiteten Ei-Produkten.

Ein runter Tisch zu Auswirkungen und möglichen Maßnahmen nach dem Fipronil-Skandal ergab folgende fünf Punkte. Geladen waren Branchen-ExpertInnen wie VertreterInnen der Gastronomie, der Landwirtschaft, des Lebensmittelhandels, der Wirtschaftskammer sowie des KonsumentInnenschutzes.

  1. Verbesserungen beim europäischen Schnellwarnsystem vor allem durch deutlich höhere Strafen bei fehlender Info-Weitergabe
  2. Einsetzung einer EU-Taskforce zur Überprüfung des europäischen Kontrollnetzes zur Ausarbeitung von Optimierungsvorschlägen
  3. Einleitung einer schrittweisen europaweiten Agrarwende weg von der großindustriellen Massentierhaltung durch ein klares europaweites Verbot aller Formen von Käfighaltung und Mindeststandards im Tierschutz in der EU. Stärkung der österreichischen Eigenversorgung (derzeit bei 86%) unter anderem auch durch den Aufbau von Verarbeitungsstrukturen.
  4. Auftrag des EU-Rats an die Kommission, innerhalb eines Jahres ein Modell für eine einfache, praktikable und unbürokratische Kennzeichnung von Eiprodukten - über die aktuelle Frischeierkennzeichnung hinausgehend - unter Einbeziehung der Betroffenen zu erarbeiten. In der Zwischenzeit Appell zu mehr freiwilliger Kennzeichnung und Bewusstsein für Regionalität.
  5. Verstärkte KonsumentInneninformation über die Möglichkeiten von bewusstem Konsum, zur Stärkung der Transparenz und positiv arbeitenden LandwirtInnen, GastronomInnen und Lebensmittelwirtschaft.

Gesundheitsministerin Rendi-Wagner hatte die Chance, diese Punkte gleich im EU-Rat vorzubringen und damit nicht nur unsere KonsumentInnen zu schützen, sondern auch einen Beitrag im Sinne unserer heimischen, qualitativ hochwertigen und kleinstrukturierten Landwirtschaft zu leisten. Es braucht eine starke Allianz der Betroffenen (KonsumentInnen, LandwirtInnen, Gastronomie und Lebensmittelwirtschaft) gegen Massentierhaltung und Preisdumping – nur so können wir qualitative, gesunde Produkte sicherstellen. Denn Lebensmittel, die so gut wie nichts kosten, können auch keine wertvollen Inhaltsstoffe besitzen.

Das Ergebnis des Gifels ist aus unserer Sicht etwas enttäuschend. Mit der Verbesserung der Kommunikation wurde ein wichtiger Punkt der Forderungen für konkrete Konsequenzen erfüllt.

Die wichtigste Konsequenz hingegen fehlt noch immer: es braucht endlich eine klare Kennzeichnung der Herkunft von Eiern auch bei verarbeiteten Produkten. Denn der Eierskandal hat uns klar gezeigt: so toll die Kennzeichnung von Frischeiern funktioniert, sobald sie verarbeitet sind, erfahren KonsumentInnen nichts mehr von Herkunft und Haltungsform. Wenn also Eier zum Beispiel lediglich gekocht und geschält sind, können sie über tausende Kilometer transportiert und unter unzumutbaren Haltungsbedingungen gelegt werden, dennoch erfahren die KonsumentInnen davon nichts. Genau das begünstigt industrielle Massentierhaltung und die Serie von Lebensmittelskandalen der letzten Jahre.

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