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am 21. November 2017

Fipronil-Skandal: Schlussbericht des Skandals

Rudi Anschober - Der Skandal um Fipronil in Eiern und die damit öffentlich gewordene Praxis der internationalen Lebensmittelindustrie hat die letzten Monate für Aufruhr gesorgt.

Woran erkenne ich ein Bio-Ei?

Über drei Monate ist es her, seit die ersten belasteten Proben beziehungsweise Verdachtsfälle in Oberösterreich (und anderen Bundesländern) aufgetreten sind. Wir haben rasch und konsequent gehandelt – jetzt geht es um die Konsequenzen.

Einem AGES-Schlussbericht zufolge, wurden österreichweit 311 Proben an Frischeiern, Eiprodukten und verarbeiteten Produkten gezogen und auf Fipronil-Gehalt untersucht. Der Großteil war frei von Fipronil, 51 Proben wiesen Rückstände auf, 19 wurden tatsächlich beanstandet – dabei handelte es sich vor allem um aus dem Ausland importierte Produkte im Großhandel. In Oberösterreich wurden 49 Proben gezogen, 2 davon beanstandet.

Die enorme Ausdehnung des Fipronil-Skandals in nahezu ganz Europa hat die Vernetzung und Monopolisierung der Lebensmittelproduktion, Preisdumping und die Vernichtung kleinteiliger Agrarstrukturen aufgezeigt. Hier braucht es ein europaweites Vorgehen, um unsere guten Produkte aus kleinen Betrieben zu erhalten und den KonsumentInnen die freie Wahl zu lassen – unter anderem durch verstärkte Kennzeichnung, aber auch durch die Verstärkung regionaler Verarbeitungsstrukturen. Positiv bewährt hat sich hingegen das Kontrollsystem in Österreich, die Zusammenarbeit von Behörden und Betrieben, die ihrer Verpflichtung zur Eigenkontrolle vorbildlich nachgekommen sind.

Der Skandal hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig Kontrolle und Sicherheit von Lebensmitteln sind. Dabei geht es neben dem Gesundheitsschutz auch um den Schutz vor Täuschung, vor allem bei der Kennzeichnung von Produkten. Wir wollen daher die Arbeit im Bereich KonsumentInnenschutz und Lebensmittelsicherheit weiter verstärken – unter anderem durch eine enge Zusammenarbeit der Bundesländer.

Wir haben daher für Anfang 2018 zu einer Konferenz der KonsumentInnenschutz-ReferentInnen aller Bundesländer nach Linz eingeladen – denn es baucht regelmäßige Abstimmung und Austausch über die neuesten Entwicklungen auf den Märkten. Dabei werden wir auch entsprechende Forderungen nach dem Fipronil-Skandal einbringen.

Abschlussbericht zum Lebensmittelskandal "Fipronil in Eiern"

Fipronil in Oberösterreich – Oberösterreichische Lebensmittelaufsicht testet

Mit Stand 31.10.2017 wurden 49 amtliche Proben von der oberösterreichischen Lebensmittelaufsicht gezogen und mit dem Auftrag, diese auf Fipronil zu untersuchen, in die Agentur für Ernährungssicherheit eingebracht.
Von den 49 amtlich gezogenen Proben wurden 2 beanstandet (Grenzwertüberschreitung, Fipronil > 0,005 mg/kg Probenziehungen vom 10.08.2017).

Mit einer Schwerpunktaktion wurde als Reaktion auf den Fipronil-Skandal ein erweitertes Monitoring in tierischen Produkten wie Hühnereiern, Eiprodukten und Hühnerfleisch durchgeführt.
Die oberösterreichische Lebensmittelaufsichtsorgane wurden beauftragt, drei Proben der Warengruppe rohe Eier, zwei Proben der Warengruppe Eiprodukte und fünf Proben der Warengruppe Hühnerfleisch jeweils ausschließlich aus inländischer Produktion zu ziehen.
Die Proben werden zusätzlich zu Fipronil auch auf Avermectine (ebenfalls ein Schädlingsbekämpfungsmittel) untersucht.

Schlussbericht der AGES: Fipronil in ganz Österreich

Von der AGES wurde in ihrem Abschlussbericht mitgeteilt, dass österreichweit mit Stand 31.10.2017 insgesamt 311 Proben von allen Bundesländern zur Untersuchung auf Fipronil eingelangt sind. Dabei handelt es sich sowohl um amtliche Proben als auch um Proben, die von Lebensmittelunternehmern selbst eingesendet wurden.

In insgesamt 54 Proben konnte Fipronil nachgewiesen werden. 19 Proben wurden beanstandet: Bei ihnen war der Höchstgehalt für Fipronil überschritten.
Bei den untersuchten Produkten handelte es sich um Frischeier, eihaltige Lebensmittel aus dem Einzelhandel sowie Eiprodukte wie Vollei, Flüssigei, Eiweißpulver, Eidotterpulver, Konditoreiweiß, gekochte und geschälte Eier etc. Es wurden auch 38 verarbeitete Produkte (Mayonnaise, Backwaren wie Gugelhupf, Eierbiskotten, Strudel und Kuchen, Tiramisu, Semmelknödel, Backerbsen und andere) untersucht.

Der überwiegende Anteil der untersuchten Produkte aus dem österreichischen Einzelhandel wie Frischeier, Hühnerfleisch, Mayonnaise und verarbeitete Produkten wie Backwaren und Teigwaren waren frei von Fipronil. Bei drei Proben (Krapfen, Backerbsen und Profiteroles) wurden Fipronil-Rückstände im Bereich der Bestimmungsgrenze nachgewiesen; bei Folgeuntersuchung der betroffenen Krapfen wurden keine Fipronilrückstände nachgewiesen.
Davon war keine Probe aus Oberösterreich.

Auch der Großteil der Produkte aus dem Großhandel war frei von Fipronil: In 51 Proben aus dem Großhandel wurde Fipronil nachgewiesen. Bei den Produkten handelt es sich um Eiprodukte für den Großhandel wie Flüssigei, Eiweißpulver, Eigelb, Vollei, gekochte und geschälte Eier usw. Die Produkte stammen aus Deutschland, Niederlanden, Dänemark, Belgien und Polen.

Unsere Forderungen nach dem Fipronil-Skandal

Im Zuge des Fipronil-Skandals haben wir die direkt Betroffenen an einen Tisch geholt, um über die Konsequenzen zu beraten. Gemeinsam mit VertreterInnen aus Gastronomie, Landwirtschaft, Lebensmittelhandel, Wirtschaftskammer und KonsumentInnenschutz wurden fünf Hauptpunkte zur Verbesserung festgemacht.

Der 5-Punkte Plan

  1. Verbesserungen beim europäischen Schnellwarnsystem durch deutlich höhere Strafen für jene, die nicht, unzureichend oder nicht sofort in das Schnellwarnsystem einspeisen bzw. andere Mitgliedsstaaten informieren.
  2. Einsetzung einer EU-Taskforce zur Überprüfung des europäischen Kontrollnetzes zur Ausarbeitung von Optimierungsvorschläge.
  3. Einleitung einer schrittweisen europaweiten Agrarwende weg von der großindustriellen Massentierhaltung durch ein klares europaweites Verbot aller Formen von Käfighaltung und die Durchsetzung klarer einheitlicher Mindeststandards für den Tierschutz in der EU. Stärkung der österreichischen Eigenversorgung (derzeit bei 86%) unter anderem auch durch den Aufbau von Verarbeitungsstrukturen.
  4. Auftrag des EU-Rats an die Kommission, innerhalb eines Jahres ein Modell für eine einfache, praktikable und unbürokratische Kennzeichnung von Eiprodukten über die aktuelle Frischeierkennzeichnung hinausgehend zu erarbeiten. Apell zu mehr Kennzeichnung und Transparenz in der Gastronomie, Start einer besseren Steuerung in Richtung regionaler Qualität beim öffentlichen Einkauf (Spitäler, Schulen etc).
  5. Verstärkte KonsumentInneninformation von Schulen bis breite Öffentlichkeit über die Möglichkeiten von bewusstem Konsum, zur Stärkung der Transparenz und positiv arbeitenden LandwirtInnen, GastronomInnen und Lebensmittelwirtschaft.

Es braucht eine starke Allianz der Betroffenen (KonsumentInnen, LandwirtInnen, Gastronomie und Lebensmittelwirtschaft) gegen Preisdumping. Denn Lebensmittel, die so gut wie nichts kosten, können auch keine wertvollen Inhaltsstoffe haben.

Wiederaufnahme der KonsumentInnenschutzKonferenz als wichtiges Steuerungsinstrument

Es sind viele politische Entscheidungen – von KonsumentInnen und Regierungen – erforderlich, damit es in den nächsten Jahren schrittweise zur Ernährungswende hin zu kleinen, fairen Strukturen, zu Vielfalt, Wahlfreiheit und Qualität kommt, so wie dies viele BürgerInnen längst einfordern und immer stärker auch leben.

Es ist daher höchste Zeit, dass "Konsum" zu einem zentralen (umwelt-)politischen Thema wird, dass anerkannt wird, dass unser Konsum auch Konsequenzen für Umwelt, soziale und wirtschaftliche Sturkturen, Klima oder Gesundheit hat.

Wir begrüßen es daher sehr, dass auf unseren Antrag hin die mehrere Jahre ruhende KonsumentInnenschutzreferentInnenkonferenz wieder aufgenommen wird. Das ist ein wichtiges Zeichen, dass es jetzt stärkere KonsumentInnen denn je braucht, diese aber auch durch die Politik entsprechende Unterstützung erfahren müssen.

Noch im Frühjahr 2018 soll die Konferenz der KonsumentInnenschutzlandesrätInnen tagen, Schwerpunkt sind die Forderungen aus dem Fipronil-Skandal, der Ruf nach mehr Transparenz und Kennzeichnung, aber auch die Möglichkeiten des KonsumentInnenschutzes nach dem VW-Abgasskandal werden diskutiert.

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